Vom Streit zwischen Nachbarn zur Diffamierung im Internet
Verfasst von Klaus Alrutz am 24. Juli 2008
Streitigkeiten zwischen Nachbarn bleiben nicht länger eine Angelegenheit ihrer engsten Umgebung, sondern sind künftig für jedermann im Internet mitzuerleben. Viele Deutsche nutzen mittlerweile die Webseite eines US-Betreibers, um ihre Nachbarn zu verunglimpfen. Auch für Frankfurt beispielsweise gibt es unter www.rottenneighbor.com (in der deutschen Übersetzung etwa “mieser Nachbar”) die ersten Einträge: “diese Frau ist giftig und falsch”, eine “gestörte Frau mit kleinem Kind” oder “dieser Mann ist von der üblen Sorte”. Die Anmerkungen sind auf Landkarten von Google Maps eingezeichnet – der Betrachter kann die Karte so lange vergrößern, bis er genau erkennet, wo das Opfer der Lästerei wohnt.
Eigentlich sollte die Webseite helfen, vor einem Umzug die neue Nachbarschaft kennenzulernen, schreibt der Betreiber im Internet. Doch er bietet damit gleichzeitig Raum für Beleidigungen und das Streuen von Gerüchten. Besonders ärgerlich ist es, wenn der Nachbar mehr weiß, als manchem lieb ist: Die Freizeitgestaltung oder das Liebesleben bleiben ihm nicht immer verborgen und können an die Öffentlichkeit gezerrt werden. Experten für Datenschutz und Nachbarschaftsrecht melden Bedenken an. “Ich finde das ganz erschreckend”, sagt die Frankfurter Rechtsanwältin Bettina Schmidt. Streit zwischen Nachbarn werde oft sehr emotional geführt, durch die Online-Schelte könne die Situation schnell eskalieren. Schmidt befürchtet sogar Gewalttaten, “denn man kann sich gegen so was nur sehr schwer zur Wehr setzen, und das führt zu einer unbändigen Wut”.
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Quelle: heise.de

















































