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Apple legt mit iPhone 3G die Messlatte noch höher

Verfasst von Klaus Alrutz am 10. Juli 2008

Den Rummel um das erste iPhone vor gut einem Jahr können selbst die Werbe-Profis von Apple nicht beliebig oft wiederholen.

Deshalb werden sich an diesem Freitag vor den Apple-Läden in den USA in der Regel auch keine langen Schlangen bilden, wenn das neue iPhone 3G erstmals angeboten wird. Für Apple wird der Verkaufsstart der zweiten iPhone-Version jedoch ein weiterer Meilenstein auf dem Vormarsch im hart umkämpften Handymarkt.

Die erste iPhone-Generation überzeugte seine Besitzer vor allem durch die leichte Bedienbarkeit mit den Fingerbewegungen, das große Glas-Display und das elegante Design des Gerätes. Konkurrenten und Kritiker konnten allerdings noch eine lange Liste von Funktionen aufzählen, die das Apple – Handy nicht beherrschte. Vor allem die fehlende Unterstützung der dritten Mobilfunkgeneration wurde damals bemängelt. Mit diesem Manko räumt Apple nun auf, wie man bereits am Namen «iPhone 3G» ablesen kann.

Das Apple-Handy erreicht jetzt Datengeschwindigkeiten von bis zu 1400 Kilobit pro Sekunde, fast sieben Mal so schnell wie der EDGE-Funk beim ersten iPhone. Beim Aufbau von Webseiten oder dem Herunterladen von E-Mail-Anhängen macht sich der Unterschied allerdings nicht so deutlich bemerkbar, da hier auch die Rechenleistung des Handys eine Rolle spielt. Bei Tests ging der Download der Seiten etwa doppelt so schnell vonstatten.

Zusätzlich zu den UTMS-Chips von Infineon haben die Apple-Ingenieure in dem neuen iPhone auch einen Empfänger für das Satelliten-Navigationssystem GPS untergebracht, mit dem die Besitzer sich ihre exakte Position auf einer Google-Karte anzeigen lassen können. Ob Spezialisten wie TomTom künftig aus dem neuen iPhone ein echtes Navigationssystem machen können, das auch Fahranweisungen geben kann, wird noch mit Apple verhandelt.

Wichtiger als die Unterstützung von UMTS und GPS erscheinen den iPhone-Testern wie David Pogue (New York Times), Walt Mossberg (Wall Street Journal) oder Michael Spehr (FAZ) die neue Software. Das System «iPhone 2.0» steht auch den Besitzern der ersten Generation als Update zur Verfügung und macht das iPhone vor allem fit für den Einsatz in Unternehmen. Künftig kann das iPhone nämlich ohne großen Aufwand vollwertig an einen Exchange-Server von Microsoft angedockt werden, der in immer mehr Unternehmen das technische Fundament für E-Mail, Kalender und andere Groupware-Funktionen bildet.

Mit dem Verkaufsstart des iPhone 3G öffnet auch der sogenannte App-Store, ein Online-Laden für iPhone-Anwendungen, die von Drittfirmen programmiert wurden. Neben einer Reihe von Computerspielen werden vor allem etliche kleine Helfer-Programme angeboten werden, mit denen iPhone-Besitzer die Funktionalität ihres Handy sinnvoll erweitern können. 16 dieser Programme wurden bereits vor einem Monat auf dem Entwicklerforum WWDC in San Francisco präsentiert, hunderte werden zur Eröffnung des App-Stores erwartet. Dieses neue Ökosystem rund um das iPhone könnte entscheidend dazu beitragen, dass sich Apple auf Dauer als ein «Big Player» im Handy-Geschäft etabliert. Die Messlatte für die Konkurrenz hat Apple allemal höher gelegt.

Dabei ist die neue iPhone-Software und auch das iPhone 3G alles andere als perfekt. So unterstützt das Betriebssystem (noch) nicht das Kopieren und Einfügen von Inhalten («Copy&Paste»). In dem Apple-Handy steckt nach wie vor nur eine eher schwache Zwei-Megapixel-Kamera, mit der man zwar Fotos, aber keine Videos aufnehmen kann. Die neuen Funkkomponenten des iPhones ziehen jetzt so viel Strom, dass das Gerät abends wieder an die Steckdose muss. Und die Batterie des iPhones kann weiterhin nur von einem Servicetechniker ausgetauscht werden.

Kritik wird sich auch an den Tarifen entzünden. Zwar hat auch T-Mobile die Preise insgesamt gesenkt. Der Carrier aus Bonn nutzt aber das Recht der Exklusivvermarktung reichlich aus und verlangt beispielsweise beim Einsteigertarif «Complete S» 170 bzw. 250 Euro (je nach Speichergröße von acht bzw. 16 Megabyte) für das iPhone 3G plus monatlich 29 Euro. Eine Datenflatrate erhalten die Kunden ab der Tarifstufe «Complete M» (60/150 Euro für das iPhone 3G und 50 Euro monatlich). In Ländern wie Österreich, in denen mehrere Anbieter das iPhone im Programm haben, kommen die Kunden auf die gesamte Vertragslaufzeit gerechnet deutlich billiger an ein neues Apple-Handy. Immerhin ist das gut ausgebaute UMTS-Netz von T-Mobile in Deutschland deutlich schneller als das 3G-Netzwerk von Apple-Partner AT&T in den USA.

Quelle: DPA/Yahoo

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