Entschlüsselung nur gegen „Lösegeld“
von Alfred Krüger
Sicherheitsexperten schlagen Alarm. Ein neues Schadprogramm verschlüsselt Dateien in infizierten Rechnern. Das Entschlüsselungsprogramm gibt es von cyberkriminellen Erpressern gegen Bares – ein kriminelles Geschäftsmodell mit Zukunft, sagen Experten.
Keine Entwarnung an der Wurm- und Virenfront: Die Zahl der Schadprogramme werde sich 2008 im Vergleich zum Vorjahr verzehnfachen, befürchten Experten der russischen Antivirenfirma Kaspersky. 20 Millionen neue Schadprogramme sagen die russischen Experten insgesamt voraus. Andere Sicherheitsunternehmen warten mit ähnlichen Prognosen auf.
„Ihre Dateien wurden verschlüsselt“
„Nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität von Schadprogrammen steigt“, hat Kaspersky beobachtet. „Sie verfügen bereits heute über ein breites Spektrum gefährlicher Funktionen und Verbreitungswege.“ Jüngstes Beispiel ist ein Trojaner namens „Gpcode.ak“. Er infiziert Rechner und durchstöbert die Festplatten systematisch nach Textdokumenten mit den Dateiendungen doc, txt und pdf sowie nach Bildern in den Formaten jpg und png. Auch Excel-Dokumente und eine lange Liste weiterer Dateien findet das Programm.
Hat der professionell programmierte Schädling eine solche Datei entdeckt, wird sie automatisch verschlüsselt. Der Nutzer kann sie nicht mehr öffnen. Der von den Cyberkriminellen verwendete Schlüssel ist so sicher, dass er selbst von versierten Profis nur mit unrealistisch hohem Aufwand zu knacken ist. Experten haben berechnet, dass rund 15 Millionen leistungsfähige PCs ein Jahr lang ununterbrochen rechnen müssten, um den passenden Schlüssel zu finden und die Dateien wieder zu entschlüsseln.
Die cyberkriminellen Schadprogrammverbreiter versprechen Hilfe. „Ihre Dateien wurden mit dem RSA-1024-Algorithmus verschlüsselt“, meldet der Schädling nach getaner Arbeit. „Zum Entschlüsseln müssen Sie unser Entschlüsselungsprogramm kaufen.“ Zu erreichen sind die Verbreiter des gefährlichen Trojaners unter einer Adresse beim E-Maildienst Yahoo.
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