Immer mehr Menschen in Deutschland haben Billigjobs
Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten in Billigjobs. Bereits mehr als jeder fünfte Beschäftigte hierzulande war 2006 Geringverdiener, wie aus einer Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation hervorgeht. Der Niedriglohnanteil stieg von 1995 bis 2006 um gut 43 Prozent auf rund 6,5 Millionen Beschäftigte. Deutschland hat demnach im Vergleich zu Dänemark, Frankreich und den Niederlanden den höchsten Anteil von Billigjobbern unter den Beschäftigten. Damit nähert sich die Bundesrepublik den USA stark an, wo etwa ein Viertel der Beschäftigten Geringverdiener sind.
Der durchschnittliche Stundenlohn der Billigjobber lag 2006 bei 6,89 Euro im Westen und 4,86 Euro im Osten. Nach einem leichten Anstieg seit 1995 ging der Stundenlohn seit 2004 wieder zurück: Im Westen sank der durchschnittliche Bruttolohn pro Stunde zwischen 2005 bis 2006 um 27 Euro-Cent, im Osten um 52 Cent.
Die Autoren der Studie verweisen darauf, dass längst nicht mehr nur geringqualifizierte Menschen Billigjobs haben. So sei der Anteil der Beschäftigten mit einer abgeschlossenen Ausbildung von 58,6 Prozent 1995 auf 67,5 Prozent 2006 gestiegen. Rund drei Viertel aller Geringverdiener hätten eine abgeschlossene Berufsausbildung oder sogar einen akademischen Abschluss.
Nach einer dänischen Studie beläuft sich die Geringverdienerquote im Nachbarland auf nur 8,5 Prozent und ist damit die niedrigste der fünf miteinander verglichenen europäischen Länder. Anders als in Deutschland bleiben dänische Geringverdiener auch nicht lange im Niedriglohnsektor, sondern steigen schnell in besser bezahlte Beschäftigungen auf. In Frankreich sorgt nach einer französischen Studie vor allem der Staat dafür, dass der Niedriglohnsektor vergleichsweise klein bleibt - unter anderem mit hohen Mindestlöhnen und starkem Arbeitnehmerschutz.
Als “eindeutiges Alarmsignal” und “Armutszeugnis” bezeichnete Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund, die deutschen Zahlen. Die Bundesregierung dürfe dieser “fatalen Entwicklung nicht tatenlos zusehen, denn hier braucht sich sozialer Sprengstoff zusammen, der auch die Mitte der Gesellschaft erreicht hat”, warnte sie.
Peter Clever von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände sieht in der Zahl der Niedrigverdiener in Deutschland dagegen “kein Argument für Mindestlohn”. Die Berichte erweckten den Anschein, “als würde nun Armut in Deutschland grassieren”, sagte Clever dem Fernsehsender N24.
Quelle: AFP Yahoo News
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